Am 1. Juni 2026 veröffentlichte US-Senator Bernie Sanders in der New York Times einen Gastkommentar mit einem bemerkenswerten Titel: „The Public Should Own Half of the Big A.I. Companies“. Angekündigt wird ein Gesetzentwurf – der American A.I. Sovereign Wealth Fund Act –, der die größten KI-Konzerne, darunter OpenAI, Anthropic und Elon Musks xAI, mit einer einmaligen Steuer von fünfzig Prozent belegen soll. Entrichtet würde sie nicht aus den Gewinnen, sondern in Aktien, die in einen öffentlichen Staatsfonds einfließen.
Bernie Sanders, Bild: KI-generiert (ChatGPT 5.5)
Sanders’ Argument berührt einen Kern: die Frage nach dem Gemeinwohl im Umgang mit einer Mächtigkeit, die niemand allein geschaffen hat. KI-Modelle, so der Senator, seien auf dem kollektiven Wissen der Menschheit trainiert – auf Büchern, Musik, Forschung und Milliarden alltäglicher Gespräche –, meist ohne Erlaubnis, Anerkennung oder Vergütung. Wenn eine öffentliche Ressource Wohlstand erzeuge, müsse die Öffentlichkeit daran teilhaben. Der Fonds soll zunächst direkte Zahlungen an die Bevölkerung leisten und später Gesundheit, Bildung und Wohnen finanzieren; als Vorbilder nennt Sanders den norwegischen Staatsfonds und den Alaska Permanent Fund. Über Stimmrechte und Vorstandssitze soll der Staat zudem schädliche Unternehmensentscheidungen blockieren können.
Politisch dürfte der Entwurf im US-Kongress leider keine Mehrheit finden; eine erzwungene Übertragung von Aktien wäre zudem nach der Takings Clause des fünften Verfassungszusatzes als Enteignung angreifbar. Bemerkenswerter als die fehlenden Erfolgsaussichten ist die Schnelligkeit, mit der sich die partizipierenden Akteure annäherten. Einen Tag nach dem Gastbeitrag unterzeichnete Präsident Trump ein Dekret, das der Regierung Vorabzugriff auf die leistungsfähigsten Modelle zur Prüfung der nationalen Sicherheit einräumt – ein Schritt, den Sanders begrüßte. Sam Altman bot an, sich gemeinsam mit ihm für die Grundidee einzusetzen, und Trump erklärte, seine Position und die von Sanders lägen „gar nicht so weit auseinander“.
Die World Socialist Web Site deutet diese Konvergenz als Verschmelzung von Staat und KI-Monopolen: Die Konzerne blieben in privater Hand, der Staat träte als Juniorpartner hinzu, während die eigentliche Eigentums- und Machtfrage unberührt bliebe. Hier berühren sich die Debatte um KI-Eigentum und die friedenspolitische Sorge dieses Kreises. Wer dem Staat die halbe KI-Industrie anvertraut, vertraut sie nicht einer abstrakten Öffentlichkeit an, sondern einer Regierung, die diese Technologie längst militärisch nutzt. Es ist dieselbe Erkenntnis, die Papst Leo XIV. in seiner Enzyklika „Magnifica humanitas“ mit dem Satz fasste, die künstliche Intelligenz müsse „entwaffnet werden“. Staatliche Beteiligung ist kein Synonym für demokratische Kontrolle, solange offenbleibt, in wessen Dienst diese Technik am Ende steht.
Quellenverzeichnis
[1] Bernie Sanders: „The Public Should Own Half of the Big A.I. Companies“, New York Times / sanders.senate.gov, 1. Juni 2026. https://www.sanders.senate.gov/op-eds/the-public-should-own-half-of-the-big-a-i-companies/
[2] Fortune: „Bernie Sanders wants Americans to own a piece of AI“, 3. Juni 2026. https://fortune.com/2026/06/03/bernie-sanders-ai-ownership-sovereign-wealth-fund-electrification/
[3] Reason: „Bernie Sanders’ AI wealth fund bill…“, 2. Juni 2026. https://reason.com/2026/06/02/bernie-sanders-ai-wealth-fund-bill-shows-that-he-doesnt-understand-ai-or-wealth/
[4] The White House: „Promoting Advanced Artificial Intelligence Innovation and Security“ (Executive Order), 2. Juni 2026. https://www.whitehouse.gov/presidential-actions/2026/06/promoting-advanced-artificial-intelligence-innovation-and-security/
[5] World Socialist Web Site: „Bernie Sanders ‚KI-Staatsfonds‘: Public-Private Partnership zur Rettung der Technologiekonzerne“, 14. Juni 2026. https://www.wsws.org/de/articles/2026/06/14/wice-j14.html
[6] Telepolis: „Bernie Sanders will 50 Prozent der KI-Aktien in öffentliche Hand bringen“, 4. Juni 2026. https://www.telepolis.de/article/Bernie-Sanders-will-50-Prozent-der-KI-Aktien-in-oeffentliche-Hand-bringen-11318656.html



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