von Axel Fersen
Rund 15 ukrainische Spezialisten führen im Norden Malis die Drohnen einer Tuareg-Rebellenfront, die sich Azawad-Befreiungsfront (FLA) nennt, gegen die malische Armee und ihre russischen Verbündeten. Das Bild der Rebellendrohne laufe per Internet bei ihm ein, sagt einer der Operatoren, per Funk sage er, wohin sie fliegen solle. Auch bei der Einnahme von Kidal in diesem Jahr hätten Ukrainer geholfen, berichtet CNN am 12. September 2026. Neu ist das nur für jene, die 2024 weggehört haben. Damals rühmte sich ein Sprecher des ukrainischen Militärgeheimdienstes, die Rebellen hätten nach dem Hinterhalt von Tinzaouaten die nötigen Informationen erhalten. Mali brach die Beziehungen zu Kiew ab, Niger folgte (Al Jazeera).
Mit wem Kiew da im Bunde ist, hat Human Rights Watch festgehalten: Die FLA kämpfte im April 2026 gemeinsam mit JNIM, einem Al-Qaida-Bündnis, und beide tauschen Waffen, Ausbildung und Lageinformationen aus. Am 25. April tötete JNIM mit einer Autobombe den malischen Verteidigungsminister, drei Tage später rief die Gruppe die totale Belagerung Bamakos aus und verbrannte Busse voller Zivilisten. Wer da von „guten Islamisten“ redet, denen man nur helfe, soll die Grenze zeigen, an der ukrainische Drohnenbilder aufhören, Al-Qaida zu nützen. Dass Armee und Milizen ebenfalls morden, entlastet Kiew nicht.
Das gängige Argument, Russland werde in Afrika gebunden und fehle deshalb an der Front in der Ukraine, kehrt sich bei näherem Hinsehen um. Die Russen zogen aus Kidal nach einer Absprache mit den Rebellen geordnet ab, ein russischer Verband, der wegen Mali nicht in der Ukraine steht, taucht in keinem Bericht auf. Was in Mali fehlt, ist etwas anderes: Diese 15 Männer sind laut CNN Elite-Drohnenoperateure, die jahrelang aus ukrainischen Erdlöchern heraus russische Stellungen aufgeklärt haben. Ihr Land führt einen Abwehrkrieg, dem die Soldaten ausgehen, und schickt seine knappste Fähigkeit in die Sahara, wo sie laut UNITED24 Media Ausrüstung bei 43 Grad testet, Wüstenüberleben lernt und nebenbei Soldaten aus Tschad, Niger und Burkina Faso schult. Die ukrainische Quelle nennt als Ziel, Russlands Ruf als Sicherheitspartner zu beschädigen und Drohnenerfahrung zum außenpolitischen Werkzeug zu machen. Ein Krieg, in dem jeder Drohnenpilot zählt, verliert Piloten an einen Krieg, der nicht seiner ist. Geschwächt wird die Ukraine.
Wer bezahlt das? Kiew wies im Oktober 2024 die Vorwürfe zurück, Drohnen zu liefern. Andere Rebellenführer erklärten laut Le Monde, sie hätten die Geräte auf dem libyschen Schwarzmarkt gekauft (Censor.NET). Dass eine Wüstenrebellion Ausbilder, Satellitenverbindungen und Drohnen aus eigener Tasche bezahlt, glaubt niemand, der die Region kennt. Der Kommandeur von Tinzaouaten rief Frankreich auf, Azawad wieder von Mali zu trennen, und die Separatisten bieten sich Europa als künftige Grenzwächter gegen Migration und Drogenhandel an (Jamestown Foundation). Ein Angebot braucht einen Adressaten. Moskau behauptet, „ukrainische und europäische Söldnerausbilder“ hätten die Rebellen vor Kidal geschult, so gibt es CNN wieder. Ob das stimmt, ist offen. Umso dringender die Frage: Läuft hier eine hybride Operation, bei der französische Dienste im Einvernehmen der E3, also Frankreichs, Großbritanniens und Deutschlands, ukrainische Hände benutzen, um in einer ehemaligen Kolonie wieder mitzuspielen, aus der Paris 2022 hinausgeworfen wurde?
Und welche Institution legt fest, wer in der Sahelzone Partner heißt und wer Terrorist? Ein Parlament, ein UN-Gremium, die Nato, ein Kreis von Nachrichtendiensten? Der Anfangsverdacht liegt nun im Raum, dass Frankreich in alte koloniale Muster verfällt.
Quellen
1. CNN (12. September 2026): Ukraine is fighting Russia anywhere it can – even in the deserts of Africa
3. Human Rights Watch (28. Juni 2026): Mali: Grave Abuses Amid Renewed Fighting
5. Censor.NET (14. Oktober 2024): Le Monde writes that Ukraine sends drones to Tuareg in Mali: details
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