Moshe Zimmermann hat in „People gone mad. Wie die Demokratie sich selbst zerstört“ (Berlin 2026) unter anderem zu Recht den Osloer Friedensprozess und sein blutiges Ende als den entscheidenden Trigger beschrieben, der vor mehr als 30 Jahren am Anfang des autoritären kriegerischen Kurses der israelischen Politik unter Benjamin Netanjahu stand:
„Der Osloer Friedensprozess, der im Frühjahr 1993 begann, war vor allem der israelischen Siedlerbewegung im besetzten palästinensischen Westjordanland ein Dorn im Auge. Er galt als größte Gefahr für die Verwirklichung des messianischen Traums von Ganz Israel. Gleichzeitig griffen die Extremisten im palästinensischen Lager zum Terror, um ihrerseits das Oslo Abkommen zum Scheitern zu bringen. … Es war jedoch ein jüdischer Siedler aus Hebron, ein Rabbi-Kahane-Anhänger, der Arzt Dr. Baruch Goldstein, der mit seiner Terrortat das Ende des Abkommens einläutete. Im Februar 1994, nicht einmal ein halbes Jahr nach der Unterzeichnung des Osloer Abkommens, ermordete er 29 und verletzte etwa 150 betende Palästinenser in der Machpela-Moschee, einem Gebäude, das für Juden wie auch für Muslime ein Heiligtum ist. Den Tag des Massakers, das jüdische Purimfest, hatte Goldstein nicht zufällig ausgewählt.“ (S. 171/2)
Moshe Zimmermann, Bildquelle: Wikipedia
Im folgenden beschreibt Zimmermann, dass der damalige Regierungschef Rabin sich scheute, die Siedler zumindest aus Hebron zu entfernen. Der Druck von rechts war offenbar zu groß, um anzufügen:
„Für den rechtsradikalen Yigal Amir, obwohl selbst kein Siedler, war die „nicht-reinjüdische“ Regierungskoalition die größte Provokation und weil das rechte Lager sich schon damals in People-gone-mad-Modus befand und das Oslo Abkommen so oder so für Verrat am Volk und an der biblischen Verheißung hielt, konnte Amir sich guten Gewissens zur Ermordung Rabins entschließen.“ (S. 173)
Dieser fand am 5. November 1995 nach monatelanger Hetze durch unter anderem Benjamin Netanjahu statt. Im Mai 1996 kam mit mit der rassistischen Parole, die den Umschwung mit verursachte, „Netanjahu – gut für die Juden“, d. h. schlecht für die Araber Israels an die Macht (ebd)
30 Jahre später, nach einer Dreißigjährigen nur kurz unterbrochenen Herrschaft Benjamin Netanjahus befindet sich Israel in einem für seine Sicherheit selbst überfordernden Krieg gegen den Iran, gegen die Palästinenser in Gaza und nun in sich ausweitendem Teil des Südlibanon. Die israelische Armee geht in den Kriegen in und um Israel mit Kriegsverbrechen vor.
Der in Israel geborene Holocaust-Historiker, Omer Bartov spricht gar seit 2024 von einem genozidalen Krieg gegen die Palästinenser. (What went wrong in Israel? A genocide scholar examines ‘what Zionism became’, The Guardian, 21. 4. 26)
Und im Westjordanland wird systematisch auch durch die Enteignung heiliger Stätten die Annexion durch die israelische Rechte vorangetrieben, nicht zuletzt unter der Aufsicht eines aus der terroristischen Kahanetradition kommenden Polizeiministers Ben Gvir.
Die deutsche Politik schweigt und kooperiert mit der israelischen Regierung, nicht zuletzt durch eine intensivierte militärpolitische Zusammenarbeit und nur ab und zu wird angedeutet, dass die brutale Politik der Regierung gegenüber den Palästinensern in Westjordanland menschenrechtsfeindlich sei.
Vgl Eine erneute Warnung vor dem Ziel Netanjahus. Am Tag danach (Blogbeitrag vom 8. 4. 26)
Moshe Zimmermann am 2. Juni um 19:00 Uhr in der Hittorfstraße 23
Der anerkannte israelische Historiker Moshe Zimmermann wird sich zu seinem brillanten Buch, das historische Prozesse der demokratischen Selbstzerstörung in Frankreich, den USA, in Weimar und Israel vergleichend analysiert, am 2. Juni um 19:00 Uhr in der Jesus-Christus-Kirche in der Hittorffstraße 23 in Dahlem äußern: 06/2026 – Martin-Niemöller-Haus lädt zu Vortrag und Gespräch über Gefährdungen der Demokratie ein


