von Axel Fersen
Am 22. Juli 2026 zählte das Europäische Waldbrandinformationssystem (EFFIS) für die Europäische Union 254.388 verbrannte Hektar seit Jahresbeginn, verteilt auf 1.254 Brände. Der langjährige Mittelwert für diesen Zeitpunkt liegt bei 569 Bränden. Im Rekordjahr 2025 waren es zum selben Datum 270.449 Hektar. Für die Woche bis zum 29. Juli meldete der Feuerwetterindex des Systems die höchste Gefahrenstufe über Südwestfrankreich und Nordspanien (EFFIS-Lagebericht).
Beobachtete Werte 2024 und 2025 sowie Prognosespannen bis 2030. Datengrundlage: WMO und Met Office.
Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) legte am 28. Mai 2026 ihre Vorhersage bis 2035 vor. Für jedes einzelne Jahr zwischen 2026 und 2030 erwartet sie eine globale Mitteltemperatur von 1,3 bis 1,9 Grad über dem Niveau von 1850 bis 1900. Mit 91 Prozent Wahrscheinlichkeit überschreitet mindestens eines dieser Jahre die Marke von 1,5 Grad, mit 86 Prozent fällt der Rekord von 2024; das Fünfjahresmittel liegt mit 75 Prozent Wahrscheinlichkeit über 1,5 Grad (WMO). Leon Hermanson, Hauptautor des Berichts, verweist auf einen El Niño zum Jahresende 2026, der die Aussicht auf ein Rekordjahr 2027 erhöhe. Für die zweite Hälfte des Jahrzehnts gibt es keine belastbaren Jahreswerte, nur Zehnjahresmittel, deren Muster sich mit den Projektionen des Weltklimarats (IPCC) deckt. Die begutachtete Aktualisierung der globalen Klimaindikatoren beziffert die menschlich verursachte Erwärmung für 2025 auf 1,37 Grad und erwartet bei unverändertem Tempo die 1,5-Grad-Marke um 2030 (Forster u. a., 2026).
Europa erwärmt sich doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt. Der am 29. April 2026 veröffentlichte Klimabericht des europäischen Erdbeobachtungsprogramms Copernicus weist für 2025 auf mindestens 95 Prozent der Kontinentalfläche überdurchschnittliche Temperaturen aus (Europäische Kommission). In Nordskandinavien hielt die Hitze 21 Tage an, innerhalb des Polarkreises wurden über 30 Grad gemessen. Die europäischen Meere erreichten im vierten Jahr hintereinander ihre höchste je gemessene Oberflächentemperatur.
Was das für die Wälder heißt, hat das Vorjahr vorgeführt. In der EU brannten 2025 nach EFFIS-Daten 1.079.538 Hektar, fast doppelt so viel wie im Mittel der Jahre 2006 bis 2024, betroffen waren 25 der 27 Mitgliedstaaten. Deutschland, Spanien, Zypern und die Slowakei verzeichneten jeweils ihren höchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen. Allein in den ersten drei Augustwochen vernichteten 22 Großfeuer auf der Iberischen Halbinsel 460.585 Hektar, 43 Prozent der EU-Jahressumme; knapp 39 Prozent der verbrannten Fläche lagen in Schutzgebieten des Netzes Natura 2000 (Gemeinsame Forschungsstelle der EU-Kommission).
Auf den Äckern läuft die Rechnung parallel. Der Handelsverband Coceral senkte am 10. Juli 2026 seine Schätzung für die EU-Maisernte um knapp acht Prozent auf 52,7 Millionen Tonnen, den niedrigsten Wert seit 2007; der Datendienst Expana hatte zuvor um sieben Prozent gekürzt. Der französische Maisanbauerverband AGPM rechnet mit einem Minus von 30 Prozent auf 9,5 Millionen Tonnen, dem schwächsten Ergebnis dieses Jahrhunderts. Landwirte im Westen Frankreichs häckselten Bestände schon vor der Befruchtung der Kolben ab, um wenigstens Viehfutter zu retten. Die EU-Anbaufläche für Mais ist erstmals in diesem Jahrhundert unter acht Millionen Hektar gefallen (Reuters).
Die Gemeinsame Forschungsstelle der EU-Kommission beziffert die Dürreschäden in der Union und im Vereinigten Königreich auf gegenwärtig rund neun Milliarden Euro im Jahr. Bei drei Grad globaler Erwärmung würden allein die landwirtschaftlichen Schäden im Mittelmeerraum und im atlantischen Europa von 3,3 auf acht Milliarden Euro steigen (PESETA IV). Solche Zahlen beschreiben das Ende des Jahrhunderts. Die Löschflugzeuge über der Gironde fliegen jetzt.
Die Dekadenvorhersage nennt kein Datum. Sie nennt den Bereich, um den die Jahre schwanken, und dieser Bereich verschiebt sich nach oben. Ein Sommer wie dieser ist damit kein Ausreißer mehr, sondern der Mittelwert, an dem sich Katastrophenschutz, Bewässerungsrecht, Sortenzüchtung und Haushaltsplanung künftig messen lassen müssen.
Quellenverzeichnis
Globale Temperaturentwicklung
World Meteorological Organization: Global Annual to Decadal Climate Update 2026–2035, 28. Mai 2026. Publikationsseite – Vollbericht – Pressemitteilung.
Met Office: 2026 outlook – likely another year above 1.4°C (Jahresprognose 2026), 18. Dezember 2025. metoffice.gov.uk.
Forster, P. M. u. a.: Indicators of Global Climate Change 2025. Earth System Science Data 18, S. 3889–3933, 11. Juni 2026. doi.org/10.5194/essd-18-3889-2026.
Klima und Extremereignisse in Europa
Europäische Kommission: Europe’s warming accelerates beyond global trend, new Copernicus data shows, 28. April 2026. ec.europa.eu.
World Meteorological Organization: European State of the Climate 2025, 29. April 2026. wmo.int.
Copernicus Climate Change Service: European State of the Climate 2025, Kapitel Waldbrände. climate.copernicus.eu.
Waldbrände
Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission: 2025 was EU’s most destructive wildfire season on record, 31. März 2026. joint-research-centre.ec.europa.eu.
Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission / EFFIS: Current wildfire situation in Europe, Stand 22. Juli 2026. joint-research-centre.ec.europa.eu.
Landwirtschaft und Dürre
Trompiz, Gus / Ilie, Luiza (Reuters): Wilting French maize to shrink Europe’s harvest as farmers fear repeat of 1976, 10. Juli 2026. Meldung.
Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission: JRC PESETA IV – Droughts sowie Global warming and drought impacts in the EU, 2020. Übersicht – Bericht (PDF).
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